Landgericht Hamburg stärkt den Schutz von Unternehmenskennzeichen: Einstweilige Verfügung zugunsten von „KostBar“ erlassen
Unternehmen investieren häufig über viele Jahre erhebliche Zeit, Kreativität und finanzielle Mittel in den Aufbau ihrer geschäftlichen Identität. Gerade im Gastronomie- und Dienstleistungsbereich besitzt eine einprägsame Unternehmensbezeichnung einen hohen wirtschaftlichen Wert. Sie schafft Wiedererkennung, vermittelt Vertrauen und dient Kunden als Orientierung im Wettbewerb. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Wettbewerber Bezeichnungen verwenden, die bestehenden Unternehmenskennzeichen zum Verwechseln ähnlich sind. Die Folge sind erhebliche wirtschaftliche Nachteile für die betroffenen Unternehmen. Auch unsere Mandantin sah sich mit einer solchen Situation konfrontiert. Sie betreibt seit längerer Zeit erfolgreich ein gastronomisches Unternehmen unter der Bezeichnung „KostBar“. Nachdem eine Wettbewerberin eine Unternehmensbezeichnung verwendete, die den prägenden Bestandteil „KostBar“ ebenfalls enthielt, wurde unsere Mandantin mehrfach von Kunden gefragt, ob sie einen neuen Laden eröffnet hätte. Da aufgrund der fortlaufenden Nutzung der beanstandeten Bezeichnung ein schnelles gerichtliches Eingreifen erforderlich erschien, beauftragte unsere Mandantin die Media Kanzlei mit der Wahrnehmung ihrer Interessen. Das Verfahren endete nun mit einem vollständigen Erfolg vor dem Landgericht Hamburg, das den Erlass einer einstweiligen Verfügung bestätigte und den Schutz des Unternehmenskennzeichens „KostBar“ ausdrücklich anerkannte.
Unternehmenskennzeichen auch ohne Markeneintragung schutzfähig
Im Mittelpunkt des Verfahrens stand zunächst die Frage, ob die Bezeichnung „KostBar“ überhaupt den Schutz des Kennzeichenrechts genießt.
Entgegen der Auffassung der Gegenseite bestätigte das Landgericht Hamburg, dass es sich bei „KostBar“ um ein schutzfähiges Unternehmenskennzeichen im Sinne des § 5 MarkenG handelt. Zwar lehnt sich die Bezeichnung sprachlich an das allgemein bekannte Wort „kostbar“ an. Für gastronomische Dienstleistungen erschöpft sich die Bezeichnung nach Auffassung des Gerichts jedoch nicht in einer bloßen Beschreibung der angebotenen Leistungen.
Vielmehr stellte das Gericht fest, dass die Kombination der Begriffe „Kost“ und „Bar“ eine eigenständige sprachliche Gestaltung darstellt, die geeignet ist, auf ein bestimmtes Unternehmen hinzuweisen.
Besonders hervorzuheben ist, dass das Landgericht nochmals klarstellte, dass an die Unterscheidungskraft eines Unternehmenskennzeichens keine überhöhten Anforderungen gestellt werden dürfen. Es genügt, wenn die Bezeichnung geeignet ist, das Unternehmen von anderen Marktteilnehmern zu unterscheiden. Eine Eintragung als Marke ist hierfür nicht erforderlich. Bereits die tatsächliche Benutzung eines Unternehmenskennzeichens im geschäftlichen Verkehr kann Kennzeichenschutz begründen.
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Verwechslungsgefahr trotz zusätzlicher Bestandteile der Unternehmensbezeichnung
Ein weiterer Schwerpunkt des Verfahrens war die Frage, ob die von der Wettbewerberin verwendete Unternehmensbezeichnung eine kennzeichenrechtlich relevante Verwechslungsgefahr begründet.
Nach Auffassung des Landgerichts Hamburg war dies eindeutig der Fall.
Das Gericht stellte fest, dass die angegriffene Bezeichnung den identischen prägenden Bestandteil „kostbar“ enthält. Zusätzliche geografische Hinweise oder beschreibende Zusätze seien nicht geeignet, den Gesamteindruck entscheidend zu verändern. Maßgeblich sei vielmehr der Bestandteil, der von den angesprochenen Verkehrskreisen als prägend wahrgenommen werde.
Darüber hinaus berücksichtigte das Gericht die enge Nähe der angebotenen Dienstleistungen. Beide Unternehmen sind im Gastronomiebereich tätig und richten sich an denselben Kundenkreis. Unter diesen Umständen genügte bereits die erhebliche Zeichenähnlichkeit, um eine relevante Verwechslungsgefahr anzunehmen.
Das Gericht stellt hierbei nicht lediglich auf eine unmittelbare Verwechslung der beiden Unternehmen ab. Vielmehr genügte bereits die Gefahr, dass Verbraucher wirtschaftliche, organisatorische oder lizenzrechtliche Beziehungen zwischen beiden Betrieben annehmen könnten.
Gerade im Gastronomiebereich liegt es nach Auffassung des Gerichts nahe, dass Kunden bei nahezu identischen Unternehmenskennzeichen davon ausgehen, es handele sich um eine weitere Filiale, einen zweiten Standort oder ein wirtschaftlich verbundenes Unternehmen.
Die Entscheidung verdeutlicht damit erneut, dass Unternehmen bereits bei der Wahl neuer Geschäftsbezeichnungen sorgfältig prüfen sollten, ob ältere Kennzeichenrechte Dritter entgegenstehen.
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Einstweiliger Rechtsschutz schützt Unternehmen vor fortdauernden Kennzeichenverletzungen
Nachdem unsere Mandantin die Verletzung ihrer Kennzeichenrechte festgestellt hatte, machten wir ihre Ansprüche zunächst außergerichtlich geltend. Da eine einvernehmliche Lösung nicht erzielt werden konnte und die beanstandete Unternehmensbezeichnung weiterhin verwendet wurde, beantragten wir den Erlass einer einstweiligen Verfügung beim Landgericht Hamburg.
Im Verfahren legten wir umfassend dar, dass unsere Mandantin bereits prioritätsältere Rechte an der Unternehmensbezeichnung „KostBar“ erworben hatte und die Verwendung der angegriffenen Bezeichnung geeignet sei, erhebliche Fehlvorstellungen bei den angesprochenen Verkehrskreisen hervorzurufen.
Darüber hinaus machten wir geltend, dass Unternehmenskennzeichen eine zentrale Herkunfts- und Vertrauensfunktion erfüllen. Gerade im Gastronomie- und Dienstleistungsbereich können bereits kurzfristige Verwechslungen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. Kunden orientieren sich regelmäßig an bekannten Unternehmensbezeichnungen und bringen mit diesen bestimmte Qualitätsvorstellungen sowie Erfahrungen in Verbindung.
Das Landgericht Hamburg folgte dieser Argumentation.
Es stellte ausdrücklich fest, dass im Kennzeichenrecht eine gesetzliche Dringlichkeitsvermutung besteht, die den Erlass einer einstweiligen Verfügung regelmäßig rechtfertigt. Unternehmen müssen daher nicht abwarten, bis bereits erhebliche wirtschaftliche Schäden eingetreten sind. Vielmehr ermöglicht das Gesetz einen effektiven und schnellen Rechtsschutz gegen drohende oder fortdauernde Kennzeichenverletzungen.
Gerade dieser Aspekt besitzt erhebliche praktische Bedeutung. Würden Unternehmen zunächst auf ein langwieriges Hauptsacheverfahren verwiesen, könnten Verwechslungen über Monate oder sogar Jahre fortbestehen und den wirtschaftlichen Wert etablierter Unternehmenskennzeichen nachhaltig beeinträchtigen.
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Landgericht Hamburg setzt wichtiges Signal für den Schutz etablierter Unternehmensidentitäten
Das Landgericht Hamburg bestätigte schließlich den Erlass der beantragten einstweiligen Verfügung und untersagte der Antragsgegnerin die weitere Verwendung der beanstandeten Unternehmensbezeichnung.
Die Entscheidung bestätigt zum einen, dass Unternehmenskennzeichen bereits durch ihre tatsächliche Benutzung im geschäftlichen Verkehr wirksamen Schutz genießen können. Eine Eintragung als Marke ist hierfür nicht zwingend erforderlich.
Zum anderen verdeutlicht das Urteil, dass Gerichte konsequent gegen verwechslungsfähige Unternehmenskennzeichen vorgehen, wenn die Gefahr besteht, dass Verbraucher wirtschaftliche Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Unternehmen annehmen könnten. Dabei genügt es bereits, wenn aufgrund identischer oder besonders ähnlicher Kennzeichen der Eindruck entsteht, die Betriebe gehörten zusammen oder stünden in einer organisatorischen oder wirtschaftlichen Verbindung.
Gerade für regional tätige Unternehmen enthält die Entscheidung eine weitere wichtige Aussage. Das Landgericht stellte klar, dass sich der Schutz eines Unternehmenskennzeichens auf denjenigen geografischen Bereich erstreckt, in dem das Unternehmen tatsächlich geschäftlich tätig ist. Im konkreten Fall ging das Gericht davon aus, dass sich der Schutz jedenfalls auf das gesamte Gebiet der hier betreffenden Ferieninsel erstreckt, da sich gastronomische Betriebe typischerweise an Besucher der gesamten Region richten.
Die Entscheidung stärkt damit die Rechtssicherheit im Unternehmenskennzeichenrecht und unterstreicht die Bedeutung eines wirksamen Schutzes gewachsener Unternehmensidentitäten. Sie zeigt zugleich, dass Unternehmen frühzeitig gegen verwechslungsfähige Geschäftsbezeichnungen vorgehen sollten, um ihre Marktposition und ihren guten Ruf dauerhaft zu sichern.
Unsere Kanzlei vertritt bundesweit Unternehmen bei der Durchsetzung ihrer kennzeichenrechtlichen Ansprüche und begleitet Mandanten sowohl außergerichtlich als auch in gerichtlichen Verfahren. Die Entscheidung des Landgerichts Hamburg zeigt erneut, dass sich eine konsequente rechtliche Durchsetzung bestehender Kennzeichenrechte lohnt und etablierte Unternehmenskennzeichen auch ohne Markeneintragung wirksam geschützt sein können.
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- 2026-08-06
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Katagorie
- Markenrecht

