20 Jahre Lafontaine-Urteil: Unser Rechtsanwalt Dr. Tobias Hermann legt umfassende kritische Analyse der BGH-Rechtsprechung zum Persönlichkeitsschutz vor

Erfolgsgeschichte

20 Jahre Lafontaine-Urteil: Unser Rechtsanwalt Dr. Tobias Hermann legt umfassende kritische Analyse der BGH-Rechtsprechung zum Persönlichkeitsschutz vor

Die Media Kanzlei setzt seit jeher Maßstäbe im Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Unsere Anwälte werden nicht müde, für den Schutz Ihrer Persönlichkeitsrechte zu kämpfen. Nicht nur vor Gericht setzen wir uns hier für unsere Mandanten ein, sondern notfalls auch im Rahmen einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Dabei scheuen wir auch nicht davor zurück, die höchstrichterliche Rechtsprechung zu kritisieren, wenn diese eine zu meinungsfreundliche Linie fährt und den Schutz Betroffener unzulässig verkürzt. Genau diese Bereitschaft zeigt erneut unser Rechtsanwalt Dr. Tobias Hermann, der seit vielen Jahren zu den führenden Experten im Persönlichkeitsschutz zählt. Seine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema reicht weit zurück: Bereits in seiner 2012 erschienenen Dissertation stellte er zentrale Weichen für die heutige Debatte und übte schon damals deutliche Kritik an mehreren Entscheidungen des Bundesgerichtshofs. Nun nimmt er im aktuellen Heft des Archivs für Presserecht (AfP) das 20-jährige Jubiläum des wegweisenden Lafontaine-Urteils zum Anlass für eine grundlegende Neubewertung dieser Rechtsprechung.

Was genau besagt das Lafontaine-Urteil?

Im Lafontaine-Fall ging es um eine Werbeanzeige eines Autovermieters, der kurz nach dem Rücktritt eines Ministers Porträtfotos mehrerer Mitglieder der damaligen Bundesregierung in einer Anzeige verwendete, ohne deren Einwilligung. Diese verlangten hierfür eine fiktive Lizenzvergütung. Zwar hatten Vorinstanzen dem Anspruch stattgegeben und einen fünfstelligen Betrag zugesprochen. Der BGH jedoch wies die Klage ab. Der Senat führte aus, dass, trotz des grundsätzlich bestehenden Anspruchs auf Schadensersatz oder Lizenzvergütung bei unbefugter kommerzieller Nutzung eines Bildnisses, im Einzelfall eine Güterabwägung vorzunehmen sei: Hier sah der BGH die Werbung als eine satirische Auseinandersetzung mit einem aktuellen politischen Ereignis, nicht als eine klassische werbliche Image-Verwertung. Die Verwendung des Bildnisses ändere nichts an dessen politischer Zuordnung und vermittle nicht den Eindruck, der Abgebildete empfehle das beworbene Produkt. Deshalb könne die Meinungsfreiheit der Werbung den Persönlichkeitsschutz überwiegen.  

Dieses Urteil hat über viele Jahre hinweg die Grenzen des zulässigen Einsatzes von Prominentenbildern in Werbung mitbestimmt: Es öffnete die Tür dafür, dass auch kommerzielle Werbung, wenn sie satirisch eingebettet war, als von der Meinungsfreiheit gedeckt angesehen werden kann. Gleichzeitig entfachte das Urteil ein viel diskutiertes Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Vermarktung und dem Schutz der privaten Interessen prominenter Personen.

Weiterlesen:

Person des öffentlichen Lebens und Persönlichkeitsrechte

👉 Hier finden Sie unseren entsprechenden Artikel.

Unerlaubte Werbung mit Prominenten – ein aktuelles Problem

Die Bedeutung des Themas zeigt sich in aktuellen Fällen besonders deutlich. Immer wieder nutzen Unternehmen die Bekanntheit prominenter Personen, um ihre Produkte oder Dienstleistungen zu bewerben – ohne Genehmigung und häufig unter dem Deckmantel humoristischer oder satirischer Gestaltung. Ein bekannter international tätiger Autovermieter fällt hier seit Jahren durch Anzeigen auf, in denen Fotos oder Anspielungen auf prominente Persönlichkeiten für werbliche Zwecke eingesetzt werden.

Was als „Spaß“ vermarktet wird, greift jedoch in die Kernbereiche des Persönlichkeitsrechts ein: Es geht um wirtschaftliche Zuordnungen, um die kommerzielle Wertschätzung von Prominenten und um die Frage, wie weit sich meinungsfreundliche Auslegungen strecken dürfen, bevor sie die Rechte der Betroffenen aushöhlen.

Weiterlesen:

Werbung rechtssicher gestalten

👉 Hier finden Sie unseren entsprechenden Artikel.

Zwischen Satire und Werbung: Der BGH und sein schwieriger Spagat

In seinem neuen Aufsatz „Kein Grundrechtsschutz für bekannte Personen bei satirischen Werbeanzeigen?
Der BGH als ‚versixter‘ Geisterfahrer – eine kritische Bestandsaufnahme 20 Jahre nach dem Lafontaine-Urteil“
wagt Dr. Hermann eine umfassende und kritische Betrachtung von diesem Spannungsverhältnis. Insbesondere beschäftigt er sich mit der Frage wie die Rechtsprechung in den vergangenen zwei Jahrzehnten einer Entwicklung Vorschub geleistet hat, die kommerzielle Interessen zu leichtfertig mit der Meinungsfreiheit verschränkt.

Das Lafontaine-Urteil aus dem Jahr 2006 bildet hierfür den zentralen Ausgangspunkt. Zwar sollte es ursprünglich Orientierung bieten, wo Satire beginnt und wo Werbung auf klare Grenzen stößt. Doch Dr. Hermann zeigt, dass der BGH immer wieder dazu tendiert hat, auch kommerzielle Kommunikation unter ein vermeintlich weit verstandenes Satireprivileg zu stellen und dies zulasten der Persönlichkeitsrechte.

Dr. Hermann zeigt auf, dass die derzeitige Rechtsprechung den verfassungsrechtlich gebotenen Schutz der Persönlichkeit nicht ausreichend berücksichtigt. Während satirische Berichterstattung im journalistischen Raum zweifellos ein hohes Gut ist, gelten für Werbung andere Maßstäbe. Werbung verfolgt primär wirtschaftliche Ziele und darf nicht in den Genuss einer Freiheitsvermutung gelangen, die ihr nicht zusteht.

Diese Kritik äußert Dr. Hermann nicht zum ersten Mal: Bereits 2012 hat er in seiner Dissertation eine grundlegende Auseinandersetzung mit der damaligen BGH-Linie geführt. Seine aktuelle Analyse knüpft daran an und zeigt, wie sich damalige Fehlentwicklungen verfestigt haben und warum nun der Zeitpunkt gekommen ist, die Weichen neu zu stellen.

Weiterlesen:

Satire – was ist rechtlich erlaubt 

👉 Hier finden Sie unseren entsprechenden Artikel.

Wissenschaft meets Praxis: Impuls für eine dringend benötigte Neubewertung

Mit seinem Beitrag bringt Dr. Hermann die Diskussion um die Grenzen zulässiger werblicher Nutzung von Prominenten erneut an einen entscheidenden Punkt. Die Analyse ist nicht nur eine wissenschaftliche Kritik, sondern liefert auch konkrete Anregungen für eine praxisgerechtere Weiterentwicklung des Persönlichkeitsschutzes.

„Die Rechtsprechung darf sich nicht damit zufriedengeben, wirtschaftliche Interessen mit willkürlich weit verstandener Satire zu rechtfertigen“, sagt Dr. Tobias Hermann. „Persönlichkeitsrechte sind Grundrechte – und Grundrechte verlieren nicht deshalb an Bedeutung, weil eine Werbung vermeintlich witzig gemeint ist.“

Sie brauchen Hilfe Rund um das Thema Persönlichkeitsrecht? Kontaktieren Sie uns noch heute um mit Dr. Hermann oder einem unserer weiteren spezialisierten Anwälte Ihre Möglichkeiten zu besprechen. 

  • Datum
  • Katagorie
To Top
Call Now Button